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Die Reise nach New York

Lieber Pierre,

mein Neffe, ein sehr lieber Mensch, hatte gerade sein Studium beendet und stand kurz vor seiner Hochzeit, als er an einem Tumor erkrankte. Der Tumor befand sich nahe der großen Blutgefäße am Herzen und war daher damals nicht operativ zu entfernen. Nun hörte ich von seinem Vater (meinem Bruder), mein Neffe sei in der Klinik – wohlgemerkt in New York, wo die Familie schon seit vielen Jahren lebte. Er sollte eine Knochenmarktransplantation bekommen.

Ich war sehr erschrocken über die Nachricht und fühlte: Ich muss bei ihm sein; ich kenne mich in diesem Bereich aus; ich muss ihm die Hand halten, ihn trösten und ihm alles erklären.

Doch wie sollte ich dorthin kommen, ohne meinen Mann zu belasten?

Und meine Kinder, die drei und sieben Jahre alt waren, sich selbst zu überlassen? Wie konnte ich das regeln? Ich war es gewohnt, alles mit mir selbst auszumachen, und sprach mit niemandem über meine Idee und meinen Wunsch.

In diesem betreffenden Jahr hatten wir nun zweimal die städtischen Herbstbälle gebucht. Da wir gerne tanzen, wollten wir den sogenannten Chrysanthemen- und den Ärzteball besuchen. Riesig freute ich mich darauf. Nun, was geschah?

Beim ersten Ball gewann eine Besucherin eine Reise nach New York. Ich saß da und fühlte voller Freude: Das war die Lösung – eine Reise nach New York gewinnen! Innige Gefühle der Freude konnte ich inmitten der fröhlichen Tanzgesellschaft spüren, die mit an unserem Tisch saß. Ich liebte diese Stimmung.

Ich begann zu wünschen.

Drei Wochen später der nächste Ball. Großartig fühlte ich mich – ein reines Glücksgefühl. Mit vielen befreundeten Ehepaaren nahmen wir daran teil. Meine Hochstimmung wuchs mit jedem Tanz. Nach jedem Tanz bekam ich von dem jeweilgen Tanzpartner eine Rose geschenkt, an der eine Losnummer hing. Während ich bis dahin noch niemals irgendetwas in meinem Leben gewonnen hatte, gewann ich an diesem Abend einen Tischgrill, den ich mir seit Langem gewünscht hatte, den aber meine Familie, vielmehr mein Mann, unnütz fand. Weiterhin gewann ich ein Blutdruckmessgerät für die Praxis meines Mannes und einen modernen Teewagen für unsere Terrasse. Vor mir türmten sich die Gewinne. Überglücklich und euphorisch erlebte ich dieses grandiose Fest.

Später tanzte ich mit einem weiteren Kollegen von meinem Mann.; auch er schenkte mir eine Rose mit Los. Und mein Mann wartete am Rand der Tanzfläche: Aufgeregt überreichte auch er mir seine Rose mit Los. Mir wurde schwindelig: Die Losnummer war die Eins. Ich dachte nur noch: Es ist entweder der allerletzte Preis oder eben der erste und größte.

Es war die Eins – es war die Eins! Es war ... die Reise nach New York!

Ein riesiges Glücksgefühl überkam mich – und eine große Dankbarkeit. Was für ein Wunder.

Eine gute Freundin meinte dazu nur wissend: „Du hast aber einen sehr guten Draht nach oben.“

Ingrid